Geschlossene Zuchtbücher erhöhen den IC (Inzuchtskoeffizient)

Wie schnell sich der (durchschnittliche) IC einer Hunderasse erhöht, hängt von Gesamtpopulation und der Anzahl der daraus tatsächlich zur Zucht verwendeten Tiere ab. Geschlossene Zuchtbücher und ein sinkender Inzuchtskoeffizient schliessen einander aus.

Ich befasse mich seit 2001 mit Irish Wolfhounds und Hundezucht. Kritische Stimmen gab es damals schon. Inzwischen gibt es aber Züchter, die von Worten zu Taten übergegangen sind. Das passiert nicht mehr versteckt, es geschieht ganz offen. Social Media erleichtert die Kontaktaufnahme und die einzelnen KritikerInnen können sich bequem vernetzen.

Geschlossene Zuchtbücher werden zur Herausforderung für Zuchtvereine.

Symbolbild

Das Kind ist also längst im Brunnen. Ob Outcross gemacht werden soll oder nicht, muss nicht mehr diskutiert werden. Es passiert. In Zeiten, in denen sogenannte Designerhunde teurer verkauft werden können als Reinzuchthunde, werden sich geeignete Plätze für die Welpen finden. Der empörte Aufschrei von etablierten Züchtern geht ins Leere.

Wer nach wie vor reingezüchtete Hunde will, bekommt sie. Wer einen „gesunden F1-Hybriden“ will, bekommt ihn auch. Die Hundewelt war und ist groß genug für beides. Als ich die Windhundewelt kennenlernte, waren Rescues – erst aus Spanien, dann von bösen Rennbahnen – weit verbreitet. Die Reinzucht konnte gut weiter leben. Sie wird Designerhunde genauso überstehen.

Bereit für eine Zukunft ohne geschlossene Zuchtbücher?

An die Wand fahren könnte sie aber mit den eigenen Übertreibungen an körperlichen Extremen und/oder extrem hohem IC und daraus resultierenden gesundheitlichen Problemen. Spätestens dann könnten die Hunde der „Spinner“ von heute spannend werden. Zur Rückzucht der ruinierten bekannten Rassen.

Es liegt an den Zuchtvereinen, ob sie sich dem Outcross weiter verschliessen, oder ob sie vorausschauend agieren. Sie könnten jetzt schon Outcross dokumentiert in ihren Reihen akzeptieren. Sie könnten damit möglicherweise ein weiteres Abwandern von engagierten Hobbyzüchtern in die undokumentierte Schwarzzucht verhindern.

Die Schotten haben es vorgezeigt!

Ein Beispiel, wie es funktionieren kann, gibt es übrigens längst bei den Deerhounds in ihrem Ursprungsland Schottland. Vor mehreren Jahren wurde offen und dokumentiert ein schwarzer Greyhound-Rüde eingezüchtet. Die Nachfahren haben inzwischen wieder „echte“ Papiere, also mit mindestens 3 Generationen Deerhounds in der Ahnenreihe. Man blieb in der Gruppe der Windhunde, nahm auf die gewünschte Farbe Rücksicht und hat jetzt die Möglichkeit, zu beobachten, wie sich die Nachkommen entwickeln.

Ich wünsche mir, dass man auch beim Irish Wolfhound bald den Mut findet, offen mit dem Thema Outcross umzugehen. Denn gemacht wird es inzwischen ganz offen. Ausserhalb der FCI.

Am Anfang meiner „Windhundezeit“ sagte mir eine Züchterin einen sehr schlauen Satz: „Wie gut oder schlecht der Wurf ist, weiß ich frühestens in 10 Jahren.“ Das gilt für Reinzucht wie für Outcross. Es erleichtert aber die Zucht, wenn dokumentiert ist, was gemacht wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*

code