der biohund?

ich denke, es braucht wieder ein paar neue bücher, auf dem stapel, der darauf wartet, von mir gelesen zu werden.  und zwar bücher vom von mir erst vor kurzem entdeckten hellmuth wachtel (der hoffentlich verzeiht, dass ich mir hier die titel zu tippen spare, die – verlinkt – nachgelesen werden können).

im artikel “biohund”? gibt es einige gedanken, die sich in diesem blog doch irgendwie immer wieder wiederholen.

der autor ruft dazu auf, die ursachen anstelle der symptome zu bekämpfen, also für heterozygotie (erbliche vielfalt) zu sorgen. sein programm umfasst 7 punkte:

1) die maximale zahl der würfe nach einem rüden begrenzen, wobei das – je nach rasse – auch ein wurf pro rüde bedeuten kann!

2) nur mehr solche partner paaren, die ein minimum an gemeinsamen ahnen (im idealfall keine!) haben. erst, wenn es nach diesem kriterium mehrere möglichkeiten gibt, den standardgemässeren partner wählen.

3) wenn nötig, haar- und farbvarianten einer rasse wieder kreuzen

4) import von rüden oder deren samen aus gebieten, wo die zucht sich bereits länger verselbständigt hat (blutsfremder geworden ist).

5) ist eine rasse sehr selten geworden und die erbgesundheit bedroht, einkreuzen nahverwandter rassen

6) in bestimmten fällen stammbücher wieder öffnen

7) gentests auf erbkrankheiten vor der verpaarung, soweit möglich

als vordinglichste massnahmen sieht der autor 1, 2 und 7.

es gibt länder, die in manchen punkten bereits massnahmen ergriffen haben oder in erwägung ziehen. erwähnt sind schweden, holland und australien.

für artenschutzprogramme gefährdeter tierarten hat man methoden zum schutz vor genetischer verarmung entwickelt. die stünden auch für die hundezucht zur verfügung. wir müssen nur wollen.  (witzigerweise hat mich schon vor monaten ein doggenzüchter darauf aufmerksam gemacht, dass man am meisten und besten von jenen leuten lernen könne, die sich um das überleben vom aussterben bedrohter tierarten bemühen …)

wie definiert hr. wachter nun also den “biohund”? - ein Rassehund, der unter Beachtung der genannten Regeln erzüchtet wurde: Primär möglichst ohne Ahnenverlust, als ohne Linien- und Inzestzucht und bei scharfer Selektion auf Gesundheit, und erst sekundärer Selektion auf Standardkonformität – wobei dieser Standard keine anatomischen Anomalien mehr enthalten dürfte, die das Wohlbefinden oder die Gesundheit beeinträchtigen, wo immer diese bisher vorgeschrieben waren. Natürlich werden dann diese Hunde auch naturgemäß ernährt und aufgezogen.

bei der ernährung war der “biotrend” vor 15 bis 20 jahren noch belächelt. ein paar verrückte spinner seien das. nicht (über)lebensfähig. eine kurzlebige modeerscheinung. doch bald gab es imitatoren. schummler, die “auf bio machten” um ihre ware teurer verkaufen zu können. bio-verbände entstanden, die kontrollrichtlinien entwickelten, kontrollen durchführten und geschützte biosiegel vergaben. es gab wohl immer wieder mal einen “bioskandal” also ertappte schummler. und es wird sie weiter geben (dazu gibt es ja kontrollen, um schummler zu erwischen). aber – inzwischen hat der hofer ein – ständig wachsendes – biosortiment, lidl und die übrigen diskonter ziehen nach, bei merkur ist das biosortiment schon so gross geworden, dass einzelne bioprodukte neben den konventionellen gleichberechtigt stehen und nicht mehr im “bioeck”. und – die biobauern sind teilweise gar nicht mehr in lage, die nachfrage zu befriedigen, während konventionelle bauern jedes jahr auf´s´´néúé´über dies oder jenes jammern …

natürlich kämen diese “biohunde” teurer. aber sie würden die höheren anschaffungskosten durch niedrigere tierarztkosten und höhere lebenserwartung und -qualität wohl mehr als wett machen. und eine klientel, die heute den “gesunden mischling” dem “überzüchteten rassehund” vorzieht könnte damit wohl auch angesprochen werden. hellmuth wachtel schliesst den artikel mit einem schönen satz, der mich an den spruch von der von den kindern geliehenen erde erinnert:

<…>denn eine Hunderasse ist ein Gemeingut, das ein Züchter sozusagen treuhändig für seine Ziele benützt, und möglichst in gleicher Qualität an die Nachwelt vermitteln müsste.

der komplette artikel findet sich in der hundezeitung im internet:
=> “Biohund”?, Von Dipl.Ing. Dr. rer.nat.tech. Hellmuth Wachtel, Wien aus dem buch “Das Buch vom Hund” von Hellmuth Wachtel

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