wir waren am balkan.

und zwar am richtigen balkan (phöse zungen behaupten ja, dass der balkan am rennweg beginnt. oder in salzburg … je nach persönlichem standort.) ziel war eine hundeausstellung in gradiska. ich gebe zu, ich hatte ein mulmiges gefühl, “so weit in den balkan hinein zu fahren” …

bosnien, 2007

ich “kannte” jugoslawien – vom durchfahren in richtung griechenland. vor dem letzten balkankrieg. ende der 80er-jahre. und ich fühlte mich in dem land nicht wohl. wir fuhren immer den serbischen teil, belgrad, nis und so weiter. ich weiss bis heute nicht, woran es lag. ungarn – o.k., griechenland mochte ich sehr, aber jugoslawien – unwohlsein. vielleicht war es die stimmung, die ich aufnahm. die stimmung, die kurze zeit später zum balkankrieg führte. wie auch immer. sehr verlockend wirkte die sache für mich nicht, aber es sollte ja nur ein wochenende werden und man soll sich neuen eindrücken nicht verschliessen.

der plan, am samstag sehr früh los zu fahren, war gut, wir kamen sehr pünktlich an. die eingeplanten pufferzeiten (drei grenzen, verlassen der EU) wurden kaum gebraucht, erst vor bosnien standen wir etwa 15 minuten im grenzwartestau. hier – an der grenze – endete auch unser navi und kartenmaterial. wir wussten, wir sind in der richtigen stadt, aber wir hatten keinen stadtplan, keine anfahrtsskizze, nur den ausgedruckten einladungszettel zur CACIB/CAC. bevor wir uns nach befahren des landes neu sortiert hatten, fanden wir schon den ersten zettel, an ein schild geklebt: CACIB und drei pfeile gerade aus! perfekt! wir folgten den zettelchens am rechten strassenrand, der nächste verriet uns – 3km. doch dann faszinierte uns das viertel, durch das wir fuhren. wir tippten auf “chinesenviertel”. am strassenrand wurden spanferkel gegrillt. so sahen wir den grossen überkopf aufgehängten banner mit dem dezenten roten pfeil nach links – wie die zwei autofahrenden vor uns auch – zu spät und mussten kurzerhand wenden. da war das ausstellungsgelände, auf einem fussballplatz. inzwischen hab ich mir angelesen, dass gradiska 25 fussballklubs hat, und die stadt (das land?) ziemlich fussballverrückt zu sein scheint.

das balkanhoch liess noch ein bisschen auf sich warten, bei unserer ankunft war es etwas frisch und das gras wusch die schuhe gründlich. im eingezäunten fussballfeldbereich waren die ringe abgesteckt, tafeln angebracht mit ringnummern und auflistung der rassen. nach und nach trudelten die ausstellerInnen ein. zur anmeldung bekam man pro gemeldeten hund eine mappe mit vorbereiteten durchschlagbögen, die später im ring abzugeben und auszufüllen waren. wir suchten – bevor es mit dem richten los ging – natürlich weitere windhunde. afghanen, barsoi, iren, whippet, windspiele und viola als einziger grey waren zu finden. und – wir fanden auch österreichische windhundmenschen.

da mehrere gruppen in unserem ring gerichtet wurden, hatten wir zeit, das geschehen zu beobachten, bevor wir an die reihe kamen. das richten ging zügig und doch gründlich vor sich. besonders wichtig schien “unserem” richter die bewegung zu sein. wenn es schien, als könne er sich noch nicht entscheiden, liefen die kandidatInnen immer noch extra runden. ausserdem schien er unbemerkt seine position verändern zu können. er beobachtete aus den verschiedensten positionen die hunde.

auch “unser” richter vom sonntag legte offensichtlich sehr viel wert auf gute bewegung. und auch auf die fähigkeit, sich überhaupt noch bewegen zu können! ich konnte z.b. beobachten, wie er amerikan stafford terrier im kreis laufen liess bis nur mehr einer die zunge im maul hatte. dann liess er die hunde wieder aufstellen. der fitteste hund, zunge im maul, konnte sich entspannt aufstellen. den anderen kandidaten hing die zunge sprichwörtlich bis zum boden und sie waren damit beschäftigt, sie wieder ins maul zurückzuhecheln. vorne stand der fitteste und ausdauerndste staff.

irish (3 hunde) und grey (1 hund) waren nur schwach vertreten, aber wir hatten die möglichkeit, in entspannter atmosphäre im freien weiter zu lernen, wie man die präsentation verbessern kann. da auch eine ganze reihe von profi-handlern anwesend waren, konnte man auch da erfahrungen sammeln. finanziell wäre es sinnvoller, die hunde profis in die hand zu geben – das haben wir in erfahrung gebracht. und – dass es nicht unüblich ist, dass man mit “fremden” hunden entspannter und besser vorführt. das sagt man zumindest in profikreisen. gut, dass ich noch zeit habe, bis ich meinen ersten eigenen hund im ring präsentieren möchte. derweilen trainiere ich mit “leih-iren”. und greys. natürlich.

beeindruckend war, dass an beiden tagen alle hunde rechtzeitig zum ehrenring-programm fertig gerichtet waren, obwohl die ringe wirklich “gut gefüllt” waren. das richten ging also sehr straff und zügig, aber trotzdem ohne hektik ab. woher der spruch kommt, dass es “wie am balkan zugehen würde”, wenn alles ein bisschen schlampig und langsam abläuft, wurde für mich an diesem wochenende zum absoluten rätsel!

wenn ich am anfang die befürchtung hegte, dass die (ja, die!) toilette (für sehr viele menschen) vielleicht bald ungustiös aussehen könnte, oder dass die wiese bei so vielen hunden bald ein einziges hundeklo sein könnte (als ich für das erste gacksackerl gerade ein depot suchte, wurde ich darauf angesprochen, dass ich eventuell die einzige mit einem gacksackerl sein könnte …), so wurde diese befürchtung (ebenfalls) sehr rasch zerstreut. offensichtlich kümmerten sich menschen ziemlich unbemerkt und konsequent darum, alles sauber zu halten! wenn ich da an eine “unzerstörbare, aber unbewachte” ASFINAG-toilette in österreich vor wenigen wochen denke, oder an das aussengelände so mancher hundeausstellung in österreich, dann würde ich mir wünschen, österreich wäre ein bisschen “mehr balkan” …

am abend allerdings, da gab es dann endlich ein vorurteil, den balkan betreffend, das sich bestätigte! am balkan weiss man, wie man grillt! die vorsorglich mitgenommen konserven blieben verpackt und fuhren wieder mit nach hause, als wir den grossen holzkohlegrill mit aufgelegtem grillgut entdeckten! dass ich meinen nuss-schnaps (empfindlicher magen …) zuhause vergessen hatte, war kein problem. ich hab die wunderbaren grill-köstlichkeiten genossen und bestens vertragen! und auch der wein schmeckte nach lokaler produktion und nicht nach einheitsware aus dem grossmarkt. die sprachlichen hürden wurden vom personal elegant gelöst. als wir darum baten, man möge uns die fünf speisen auf der karte übersetzen (das einzige, was wir verstanden, war cevapcici, aber da stand noch was daneben …) deutete der junge mann auf “speise zwei” und übersetzte mit “very good” und danach auf “speise 4″ und übersetzte mit “very, very good”. so fiel uns die entscheidung leicht, wir nahmen einmal “very good” und einmal “very, very good”.

gradiska, 2007

im sinne der hunde wäre es wohl gewesen, am zweiten tag nicht mehr auszustellen (die fanden das dann am zweiten tag schon eher langweilig bis nervig …). aber die idee, diese ausstellung in bosnien zu besuchen, war eine gute. danke für den tip! ich habe ein paar schöne stunden in einem unbekannten aber doch so nahen land verbracht und viel gelernt. zum beispiel, dass allround-richter durchaus gut sein können, weil sie vielleicht einen “allgemeineren” blick haben und das gemeinsame beurteilen, nämlich die fähigkeit, sich zu bewegen. und – dass der balkan viel weniger “balkan” ist, als österreich.

natürlich kann man nicht einfach “weg stecken”, dass in diesem land vor 12 jahren ein schrecklicher krieg zu ende ging und die narben des krieges gar nicht verheilt sein können. zum teil sieht man diese narben ja immer noch sehr deutlich. aber die paar leute, die ich in diesen zwei tagen erleben durfte, wie sie diese ausstellung managen, die haben mir die hoffnung gegeben, dass menschen in diesem land gewillt sind, nach vorne zu denken und sowas wie “normalität” wieder zu finden. in dem sie z.b. eine hundeausstellung ausrichten. und das, was an möglichkeiten fehlt, durch improvisation, arbeitseinsatz und reduktion auf das wesentliche mehr als kompensieren. ich wünsche es allen menschen in bosnien (und auch denen in den nachbarländern), dass es gelingt, die wunden verheilen zu lassen ohne neue aufzureissen, frieden zu finden. und ich kann gradiska nur empfehlen!

quellen:

andere themen:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>