die technik der hundezucht

der titel des buches “technik …” hat mich – das gebe ich zu – abgeschreckt. da ich das buch aber dringendst anempfohlen bekommen habe, habe ich doch begonnen, es zu lesen. um es dann an einem wochenende ausgelesen!

gleich auf den ersten seiten relativiert dr. dieter fleig nämlich – genau den titel, erklärt, warum er es “technik” nennt. immer wieder kommt im buch klar zum ausdruck, dass der autor hunde eben genau nicht für “maschinen” hält, die funktionieren müssen, wenn man nur die richtige “technik” anwendet. ganz im gegenteil! er spricht sich z.b. heftig dagegen aus, die hündinnen zu vergewaltigen, nur weil man sich genau die anpaarung in den kopf gesetzt hat. er erklärt eindrücklich, wie er es auch als züchter einer rasse mit “kampfhundehintergrund” erreichte, dass die hunde sich freundlich und freiwillig paaren. er spricht aber auch ganz klar aus, dass er in seiner funktion als deckrüden-halter hündinnen unverrichteter dinge weggeschickt hat, die zu aggressiv waren, um sich ohne zwangsmassnahmen decken zu lassen …

dr. fleig hat sehr konkrete ansichten, welche hunde in die zucht gehen sollen und welche in der zucht nichts verloren haben. genauso gnadenlos urteilt er auch über züchterInnen, die sich ganz offensichtlich nichts dabei denken, wenn sie hunde vermehren. da er auch als zuchtwart tätig war, hatte er da sicher gute einblicke. immer wieder zichtigt er sich dessen, sehenden auges in ein fettnäpfchen zu hüpfen, mit dieser oder jener ansicht.

das buch ist dicht mit informationen gefüllt und trotzdem schafft fleig es, flüssig, verständlich, kurzweilig und durchaus auch humoristisch über das thema hundezucht zu schreiben. das buch ist inzwischen in mehrere sprachen übersetzt worden und (zumindest) in der deutschen version mehrmals neu aufgelegt worden. angenehmerweise sind die ergänzungen chronologisch am ende des buches angeführt, so dass man, wenn man ein neueres buch in händen hält, nicht den gesamten text nochmal lesen muss, um rauszufinden, was sich verändert hat. auch die aussage, dass 7 wochen der beste zeitpunkt sei, welpen abzugeben, wird im anhang durch den leserbrief einer züchterin relativiert.

krankheiten werden offen angesprochen und – fettnäpfchen – nebenbei auch erwähnt, dass die zuchtvereine züchterInnen oftmals im regen stehen lassen und gar kein interesse daran zu haben scheinen, gegen krankheiten anzukämpfen. auch die FCI bekommt “ihr fett weg”: so stellt fleig als zuchtauswahlkriterien die FCI-pyramide auf den kopf, in dem er – völlig zu recht! – schönheit als den letzten von vier punkten reiht und nicht müde wird, zu kritisieren, dass die FCI-konforme zucht schönheit über alles stellt und dabei auf gesundheit, intelligenz und leistungsfähigkeit vergisst. (das wesen fällt in der definition von dr. dieter fleig übrigens unter den punkt gesundheit und steht damit ex aequo an erster stelle!)

eine krankheit, die dr. fleig übrigens erwähnt, soll auch beim irish wolfhound vorkommen (die rasse wird ausdrücklich angeführt), ich hab jedoch noch nie zuvor davon gehört! es handelt sich um das swimming puppy syndrom. noch eine weitere verknüpfung zum irish wolfhound gibt es: mary mcBryde verweist in ihrem buch, der irish wolfhound, auf exakt dieses buch. vielleicht ist es aber auch nur ein => easter egg des übersetzers, eines gewissen dr. dieter fleig? möglich wäre es … denn das, was mcBryde hemmunglos empfiehlt (der hündin einen maulkorb aufzusetzen und sie eben mal fest zu halten, wenn der züchterische wert der anpaarung hoch sei …), würde dr. dieter fleig nie und nimmer gut heissen! auch das von mcBryde empfohlene abschneiden der nabelschnur mit einer scharfen schere empfiehlt dr. fleig wg. zu hoher blutungsgefahr ausdrücklich nicht. er schreibt davon, dass man die nabelschnur mit den fingern abknipsen solle, wenn die hündin nicht selbst die nabelschnur abbeissen würde.

möglicherweise gibt es aber beim irish wolfhound allgemein schwierigkeiten, die mcBryde als gegeben hin nimmt und dr. fleig in seinem buch als schwächen sieht, gegen die man arbeiten müsse. es wäre durchaus interessant, mit dr. dieter fleig über den irish wolfhound zu diskutieren, der ganz offensichtlich zu grossem teil nur mehr nach optischen kriterien gezüchtet wird.

diese rezension bezieht sich auf die 4. auflage, 2001. aktuell ist die auflage 6/2007

nachtrag: eine stille mitleserin hat mir geflüstert, dass sich die diskussion mit dr. fleig eher schwierig gestalten würde. er ist am 14. april 2001 verstorben. das war vor meiner aktiven hundezeit und durch die neuauflage dieses, seines buches mit datum 2007, bzw. neuauflage des von ihm übersetzten buches der irish wolfhound/mcBryde ebenfalls 2007 kam ich nicht auf den gedanken, dass er schon vor jahren verstorben sein könnte. danke für den hinweis.

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2 Responses

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  1. Guten Morgen,
    mein erster eigener Hund (noch in der Gym-Zeit) war eine mühsam vom Taschengeld zusammengesparte Bullterrierhündin (nicht von Fleig), die leider sehr früh an Krebs starb. Damals lernte ich im Rahmen einer Ausstellung den schon damals als Bully-Papst bekannten und von allen höchst verehrten Dr.Fleig kennen. Er erzählte viel und dozierte schon damals gerne. Was mich aber nachdrücklich abstieß und mir auch später keinen weiteren Buillterrier mehr nehmen ließ, war seine Wiedergabe von verschiedenen – anscheinend bei den Bullies schwierigen Deckakten – unter fröhlichem Lachen, bei denen er auch – ich kann mich nicht mehr erinnern wie viele, aber mindestens 2 Finger (oder deren Teile) verlor. Er war nach seinen Worten völlig normal, den Hunden dabei tatkräftig manuell nachzuhelfen, wobei es die Hündinnen gewesen seien, die nach rückwärts gebissen hätten.
    Soviel zur Ablehnung der Vergewaltigung von Hündinnen.
    imjc

  2. hallo iris!

    auch im buch schildert dr. fleig “wie es üblich war” (und scheinbar auch immer noch ist …) und auch, dass er bei solchen “deckakten” anwesend war. im buch gewinnt man den eindruck, er hätte im laufe der zeit den weg zur gewaltfreien paarung gefunden.

    lg,
    margot

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