das leben geht weiter.

mit freundlicher genehmigung von http://www.schroeders-hundeleben.de

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ich kenne das gefühl, jemandem “was passendes” zu sagen, wenn die person einen hund über die regenbogenbrücke gehen lassen musste. manchesmal hat man den eindruck, nichts passendes zu finden und schweigt. enya war mein erster hund und ich bin das erstemal “auf der anderen seite”, ich bekomme auch nachrichten der form, man fände keine passenden worte, wolle nichts banales schreiben, etc. ich kann sagen – keine einzige nachricht erschien mir unpassend und auch, wenn es abgestritten wurde, dass worte trösten könnten, ich fand und finde auch trost in den worten.

viele wissen, dass enya nicht “nur” mein erster hund gewesen ist, sondern auch eine grosse mentorin. sie nahm mir die angst vor hunden, sie zeigte mir windhundesport, sie tröstete mich und sie war immer in meiner nähe und hatte mich im auge, selbst wenn ich sie – zb. bei spaziergängen – aus den augen verloren hatte. sie war, wie viktor es so treffend formulierte, mein versuchskaninchen für’s trimmen und sie war die ruhe und gelassenheit selbst. naja, ausser, es ging um’s “hasi” oder um “katzi’s” …

die letzte grosse lektion, die meine mentorin für mich bereit hielt, war die sache mit dem tod. sie zeigte mir, dass er ein teil des lebens ist, dass es keinen sinn hat, gegen ihn zu arbeiten, dass man – wenn es so weit ist – auch diesen weg mit grosser gelassenheit und ruhe gehen kann. ich bekam von enya das grosse geschenk, die letzten stunden und tage sehr intensiv mit ihr verbringen zu dürfen.

der augenblick war einfach da, an dem wir wussten, jetzt kommen die letzten gemeinsamen stunden in diesem leben. es war eine stille übereinkunft, den dingen ab sofort ihren lauf zu lassen und – wenn notwendig – schmerzmittel zu verwenden. mit wenigen zeichen zeigte sie mir, wann sie wasser wollte und wo sie hin wollte. sie akzeptierte, dass ich sie nach jedem ortswechsel wieder in eine dicke decke einpackte. sie verweigerte zu engen körperkontakt und kuschelte nur einmal ganz innig mit mir, kurz bevor die tierärztin kam.

ich möchte diese stunden nicht missen. sie waren – wie es eine freundin formulierte, als ich nach beschreibenden worten rang – bereichernd. sie bereiteten mich auf das unausweichliche ende vor und ermöglichten mir, den tod als das zu akzeptieren, was er ist: ein teil des lebens, etwas, was unweigerlich auf jede geburt folgt. wer sich auf ein lebewesen einlässt, muss damit rechnen, dass es vor ihm stirbt.

unsere gesellschaft hat uns gelehrt, den tod zu verdrängen. ewige jugend ist oberstes gebot und wer krank und siech ist, hat sich gefälligst in dafür vorgesehene heime zu begeben und aus dem blickfeld der allgemeinheit zu verschwinden. diese form der realitätsverweigerung treibt fallweise auch ganz seltsame blüten, wenn leben maschinell und künstlich “verlängert” wird und die frage, ob diese form noch lebenswert sei, konsequent verdrängt wird. dieser trend kommt unweigerlich auch in die tiermedizin. vielleicht ist auch die tiermedizin der versuch für die humanmedizin. die grenzen sind fliessend.

todkranke menschen können sich oft nicht mehr den “lebenserhaltenden massnahmen” entziehen. ärztInnen fühlen sich gesetzlich verpflichtet, “alles zu tun”, angehörige stehen unter emotionellem stress und projezieren oft auch eigene ängste. bei tieren ist die situation einfacher – und zugleich schwieriger. wir haben die verantwortung für das tier übernommen und dürfen uns dieser nicht entziehen. wir haben die möglichkeit, einzugreifen, bevor das ende ein unwürdiges wird. wir müssen unsere sinne schärfen und die signale wahrnehmen und ihnen folge leisten. und wir müssen möglichen verlockungen und versprechungen der tiermedizin widerstehen.

enya’s nieren haben versagt. sie verweigerte feste nahrung und hatte in den letzten stunden auch schwierigkeiten, wasser zu behalten. das nierenversagen war vermutlich auf tumor(e) in den inneren organen zurückzuführen. wir haben darauf verzichtet, nachzuschauen, wo der/die tumor(e) waren. nach aussage der tierärztin hätte enya noch etwa eine woche von ihrer substanz “leben” können. mit infusionen wäre eventuell noch “mehr drinnen gewesen”. diese information war informativ und keine auch nur im entferntesten angedachte alternative. enya durfte im kreis ihres rudels an ihrem lieblingsplatz für immer einschlafen zu einem zeitpunkt, zu dem sie noch ihre würde und halbwegs die kontrolle über ihren körper hatte.

ich danke enya für die zeit mit ihr und für alles, was sie mich gelehrt hat. ich danke harry, der uns in dieser zeit begleitet und betreut hat. ich danke den ganz wenigen menschen, die von unserem letzten weg wussten und uns mental unterstützt haben. ich danke allen, die uns ihre anteilnahme gezeigt haben. behaltet enya so in erinnerung, wie ihr sie kennen gelernt habt.

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