mein geburtstagsgeschenk an mich selbst.

mit freundlicher genehmigung von schroeders-hundeleben.de

nun habe ich meinen neujahresvorsatz, mich nicht mehr ehrenamtlich für windhundevereine zu betätigen, umgesetzt. ich fühle mich befreit und um wissen bereichert, welches ich so nicht erwartet habe. kynologisch habe ich durch meine mitarbeit wenig dazu gelernt, soziologisch jedoch umso mehr. humansoziologisch, wohlgemerkt. dass vereine einander gerne gegenseitig schlecht machen, das war mir sehr bald klar. man braucht ja nur beobachten, dass sich so mancher verein “von einem anderen verein abgespalten hat”. wie weit aber die vereinsinternen grabenkämpfe gehen – das hat auch mich noch überraschen können. das gebe ich offen zu.

eines der ungeschriebenen gesetze der windhundeszene scheint zu sein, wenn man nur alt genug geworden ist, braucht man sich an keine regel mehr zu halten. weder an fachliche noch an die des guten geschmacks. man kann den jüngeren bei jeder unpassenden gelegenheit um die ohren schmeissen, dass sie ja keine “erfahrung” hätten. “erfahrung” heisst in dem fall dann schlicht, mehr jahre am buckel zu haben. wagt man widerrede, wird die direkte ansprache beendet. ab dem zeitpunkt wird nur mehr “über bande” kommuniziert. die mail wird an jemand anders gerichtet, der eigentliche adressat wird mittels CC:-funktion “in kenntnis gesetzt”. telefonnummern werden sofort vergessen und man ruft andere an mit der bitte “auszurichten” oder “bescheid zu sagen”. manchesmal wird sogar dazu aufgefordert, jemanden “zurück zu pfeifen”.

die freiwillige arbeitszeit wird so auf ein vielfaches aufgeblasen und selbst die, die die aufgabe eigentlich delegiert haben, sind schlagartig wieder involviert. die absicht, die dahinter steckt (wenn es nicht ohnehin nur mehr reflexe aus dem rückenmark sind), darf man nach lust und laune interpretieren. wenn einem überhaupt noch danach ist. fachlich begründen lassen sie sich jedenfalls in den seltensten fällen. manchesmal erheitern sie einen, vor allem, wenn es jene bereiche betrifft, in denen man selbst definitiv “mehr jahre auf dem buckel hat”, nämlich z.b. graphik, typographie, satz. wären es kunden, wäre so mancher dialog reif für => diese seite. momentan gärt in mir der gedanke, all die zeit, die ich durch aufgabe der freiwilligen vereinsarbeit zwangsläufig gewinne, in das schreiben eines buches zu stecken. vielleicht lässt sich diese vereinsarbeit ja doch noch gewinnbringend verwerten …

ich empfinde es inzwischen als unerträglich, mit welchem overhead an bürokratie und mit wieviel destruktiver energie von der eigentlichen arbeit mit den hunden abgelenkt wird. wovon wird damit abgelenkt? jedenfalls weiss ich nun, warum jene, die wirklich mit den hunden arbeiten wollen, sich so oft tunlichst von vereinsarbeiten fernhalten. die “effizienz” mit der innerhalb von vereinen “gearbeitet” wird, ist oft genug haaresträubend. gut, in manchen bereichen kommt man an vereinen nicht vorbei. und sicher gibt es welche, deren persönlichkeit besser dazu geeignet ist, unfug unwidersprochen zu ertragen. aber jedem, der in anderen bereichen strukturiert und effizient arbeitet, muss auffallen, wie viel geschäftig wirkenden leerlauf es gibt. und wenn doch irgendwo ein funktionierendes und gut arbeitendes team zusammengekommen ist, kann man davon ausgehen, dass schon jemand seine kreise zieht um zwietracht zu säen …

ein besonderes gräuel sind jene, die unfähig sind, zwischen privaten dingen und vereinsangelegenheiten/beruflichen dingen zu unterscheiden. leider – dass muss ich auch schreiben – gehören dieser spezies vorwiegend frauen an. haben sie jemanden privat “auf dem kieker”, dann wird jede möglichkeit gnadenlos genutzt, diese privatfehde im vereinsleben/berufsleben weiter zu führen. da die private kommunikation ja in solchen fällen meist beendet ist, nutzt man die situation aus, dass in vereinsbelangen/beruflichen angelegenheiten kommuniziert werden muss und schlägt dann hemmungslos mit dem “sandschauferl” auf den anderen ein. einfach nur lächerlich. zu dieser spezies gehören übrigens auch jene, die ihre (vermeintliche) machtposition im vorstand(sumfeld) eines vereins dazu nutzen, ihr “sandschauferl” zu schwingen.

jene, die kynologisch wirklich was drauf haben, geben ihr wissen gerne weiter und dies fernab von jeglicher vereinsarbeit. es gibt sie nämlich sehr wohl, die älteren menschen, die ganz offensichtlich nur körperlich gealtert sind, geistig jedoch fit und jung geblieben sind. sogar von jüngeren kann man lernen, wenn man denn nur will. denn es ist nun mal so, dass erfahrung nichts mit dem geburtsjahr zu tun hat. und auch nichts mit der anzahl von lizensierten oder gezüchteten hunden. erfahrung hat mit der fähigkeit zu tun, aus erlebtem schlüsse zu ziehen. erfahrung hat auch damit zu tun, dass man nie ausgelernt hat, immer neugierig und wissbegierig bleibt und neuem gegenüber aufgeschlossen ist. wer “schon alles weiss”, dessen wissensstand hat meist auch schon wieder das ablaufdatum überschritten. das alles hat wohl mit geistiger flexibilität zu tun. manche haben die, manche werden sie nie haben. egal, wie alt oder jung sie sind. erfahrung sammelt man auch, indem man offen für andere wege ist. erfahrung heisst nicht, “die wahrheit” zu besitzen und alles, was der eigenen wahrheit zuwider läuft, für falsch zu erklären und/oder lächerlich zu machen. bekanntlich führen viele wege nach rom.

so hab ich mir also heuer zum geburtstag freiwillige vereinstätigkeit geschenkt. meine energie geht nun in jene bereiche, in denen ich mit hunden arbeiten kann. ohne vereinsangehörigkeit geht es ohnehin nicht. aber ohne aktiver vereinsarbeit geht es ganz gut. mögen die, die aufgrund ihrer erfahrung alles so viel besser wissen, ab sofort auch die arbeit machen. und meine freundInnen bitte ich, mir den sprichwörtlichen stein an den kopf zu werfen, sollte ich je wieder auch nur auf die idee kommen, mich von einem windhundeverein als einfaches mitglied zu ehrenamtlicher mitarbeit überreden zu lassen. ich bin da nicht der typ dafür.

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