was täten wir, wenn wir das gen nicht hätten …?

seit ein paar jahren ist der trend zum gen unübersehbar. wir haben gene für fettleibigkeit, für nikotinsucht, für kurzsichtigkeit, für faulheit, für ich weiss nicht was. an allem ist ein gen schuld. das macht das leben auch erfreulich einfach. wir müssen uns nicht mehr fragen, wo sonst etwas schief gelaufen ist. wir müssen uns nicht mehr fragen, ob es ev. die nebenwirkung eines medikaments ist. wir müssen uns nicht mehr fragen, ob in der trächtigkeit was schief gelaufen ist, wir müssen uns nicht mehr fragen, ob es eine spontanmutation ist, wir müssen uns nicht mehr fragen, ob die haltung falsch war. oder die fütterung – wobei, wer barft füttert ja prinzipiell richtig. nix da – wenn was schief gelaufen ist, ist ein gen schuld. basta. oder besser – amen. denn diese denkweise erinnert mich tatsächlich schwer an katholisch-religiöse heilsversprechen. gottes stellvertreter wissen – die antwort ist immer in gott.

genom – der neue gott?

für mich wirkt genetik und wie sie in der presse aufgenommen wird, tatsächlich wie eine neue, moderne religion. wer war das doch gleich, der die religion “opium des volkes” nannte? wie damals in der bibel gibt es gut/schlecht, schwarz/weiss. schuld ist immer ein gen – das erspart nachdenken, diversifizieren, eigene meinung bilden, eigene handlungen überdenken. und es erspart auch das geständnis, dass man manchesmal keine antwort hat. keine ahnung hat. einfach nichts weiss. nichts wissen gibt es nicht. seit es gott gibt und jetzt auch seit es das gen gibt. man kann ja nix dafür – ein gott/gen ist schuld …

und was machen wir, wenn ein gen schuld ist? genau! wir machen genomzid! wir rotten das gen und das potentielle umfeld aus. und das, obwohl nichtmal wissenschafter – entgegen anderslautender verkürzender pressemeldungen – das (menschliche) genom komplett entschlüsselt haben. beim hund hat man das genom einer hündin einer stark ingezüchteten rasse entschlüsselt. weil das Y-chromosom so schwer decodierbar ist und weil die DNA einer stark ingezüchteten hündin leichter zu entschlüsseln ist. entschlüsselt heisst aber noch nicht, dass man weiss, welches gen wofür zuständig ist. man weiss jetzt bloss mal den bauplan der DNA. in ansätzen. das, was man nicht entschlüsselt hat, erklärt man kurzerhand für nicht so wichtig. es war ja gerade ein jahrestag und deshalb die genom-entschlüsselungsschlagzeile so passend.

zukunftsweisende neigungsgruppe in der iw-zucht?

viel weiter ist man in der hundezucht beim irish wolfhound. hier wird mit genetischem halb- und unwissen gearbeitet, dass es nur so staubt. ich frage mich zwar regelmässig, warum all die genetikerInnen nicht in der forschung und wissenschaft ihr geld verdienen, sondern ihr knowhow gratis in internetforen verteilen, aber vielleicht denke ich da ganz einfach viel zu materialistisch. die neigungsgruppe epilepsie arbeitet als eine art geheimbund. kaum hat jemandem aus dieser neigungsgruppe jemand erzählt, dass es einen an epilepsie erkrankten hund gäbe, weiss man, dass diese form der epilepsie erblich ist und bemüht sich durch gezielte informationspolitik (hinter vorgehaltener hand, versteht sich) dafür zu sorgen, dass dieses gen ausgerottet wird indem man dazu beizutragen versucht, dass mit sämtlichen anverwandten dieses hundes bloss nicht mehr gezüchtet wird. widersetzt sich ein züchter sträflicher weise diesem wohlmeinenden rat, dann wird über ebendiese kanäle entsprechende negativwerbung für den wurf betrieben.

es gibt sogar richtige listen, in denen epiträger erfasst sind. diese liste bekommt man als gewöhnlicher züchter allerdings nicht zu gesicht. es empfiehlt sich auch nicht, bei besitzerInnen von epi-hunden nachzufragen. stellt man nämlich die falsche frage, dann wird man mehr oder weniger deftig beschimpft.

leider wird man aber auch schon mal von züchterInnen beschimpft, wenn man direkt nachfragen will. offensichtlich liegen die nerven da inzwischen derartig blank, dass man gar nicht mehr davon ausgeht, dass jemand an seriöser information interessiert sein könnte …  sobald man epi… formuliert hat, fallen die sicherungen. so etwas stärkt die neigungsgruppe epilepsie ungemein.

es hat ein weilchen gedauert, bis ich die neigungsgruppe epilepsie durchschaut habe. zugegeben – hätte schneller gehen können. information statt beschimpfen hätte auch in diesem fall geholfen. wie heisst es so schön? wer schreit, hat unrecht. (übrigens ein satz, der sich auch in der hundeausbildung/-erziehung immer mehr durchsetzt.) andernseits sind selbst erworbene erkenntisse auch entsprechend besser verankert.

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